Ach tut das gut...
Heute morgen bin ich nicht ganz so übellaunig aufgewacht wie sonst. Neben mir lag kein Mensch und ich konnte mir ganz ungezwungen das Morgenholz abraspeln. Danach ins Bad, Restpuller rauspieseln, waschen, rasieren, kacken, waschen. Klingeling. Hallo? Verdammt, nicht die Tür, das Telefon war's (so schnell werde ich mich nicht an die neue Klingel gewöhnen). Hallo, mit wem spreche ich?
"Guten Morgen, Trottelkopf der Name, von der Suddeutschen Spackenlotterie aus München. Bin ich hier richtig bei der Familie Nigk?"
"In der Tat, das sind Sie."
Der Telefonvertreter sprach zu mir in langgezogenen, dumpf gesprochenen Worten, mit willkürlich eingestreuter Betonung schlecht gespielter Euphorie, auffällig phlegmatisch. Ich beobachtete die Zeitanzeige am Telefondisplay.
"Hallo, Herr Nigk! Mein Name ist Trottelkopf von der Suddeutschen Spackenlotterie aus München. Grüße von München nach Neutraubling."
Damit waren wir bei 2 Minuten und 58 Sekunden angelangt.
"Grüße zurück."
"Anlässlich des 60. Jubiläumstages der Suddeutschen Spackenlotterie, haben wir in Zusammenarbeit hochrangiger Mathematiker ein brandneues Spiel-System entwickelt, dass ihre Chance auf einen Millionengewinn beträchtlich steigert. Wäre das nicht eine feine Idee schon so Früh so viel Geld zu gewinnen?"
"Da haben Sie recht, guter Mann, nur leider haben meine Familie und ich keinerlei Interesse an einem Gewinnspiel teilzunehmen. Vielen Dank für ihren Anruf und einen wunderschönen Tag möchte ich Ihnen noch wünschen."
Der letzte Satz hat sich seit einer nervigen Erfahrung mit der Telecum im letzten Jahr, in meiner Rhetorik durch eine unerschütterliche Standardisation gefestigt. Spontan entschließe ich mich dazu, euch diese Story nachzureichen, jedoch bin ich der Annahme, dass ihr dessen Verlauf sicher schon zichmal in ähnlicher Form gehört habt, und das besser, als ich es je schreiben könnte. Egal. Das heb ich mir dann für die Tage auf, an denen mir nichts besseres einfällt.
"Auf Wiederhören." also, doch hey, wie so oft habe ich es mit einem Vollprofi zu tun, der sich nicht so leicht abwimmeln lässt.
"Sie können kein Geld gebrauchen?"
Rhetorische Fragen beantworte ich gerne ironisch, aber mit der Sorte Ironie, die als solche nicht zu erkennen ist: "Nein, danke. Ich habe mehr als genug."
Fast hätte ich mich an meinen eigenen Worten verschluckt, konnte aber meine Coolness bewahren.
"Das tut mir Leid für Sie. Dann muss ich es wohl bei ihrem Nachbarn versuchen."
"Oh ja, tun Sie das. Der fährt noch keinen Maserati."
Ich halte nichts von einem nachbarschaftlichen Wettrüsten in Sachen Statussymbole. Neidisch machen konnte er mich so nicht.
"Bin ich also doch bei Ihnen an der falschen Adresse."
"Leider muss ich Ihnen sagen, dass Sie's bei meinem Nachbarn damit auch wären. Der wohnt nämlich im selben Haus, selbe Adresse und trägt sogar den gleichen Anfangsbuchstaben im Nachnamen. Und soll ich Ihnen was sagen? Die Wände hier sind so dünn, dass ich meinem Nachbarn dabei zuhören kann, wie er Ihnen genau wie ich, eine eiskalte Abfuhr erteilt. Sie gestatten dass ich auflege, so lange ich noch guter Laune bin?"
Er kam mir zuvor.
tut-tut-tut-tut-tut...
Ach tut das gut.
Das hier ziemlich genau dokumentierte Telefonat dauerte 19 Minuten und 35 Sekunden. Hätte er 19 Minuten und 35 Sekunden früher angerufen, hätte er mich aufgeweckt und ich wäre sehr böse geworden. Glück gehabt.
Mein Tipp für Sie, Herr Trottelkopf: Lesen Sie ihre Worte nicht ab, solange Sie es nicht schaffen, es nach freier Rede klingen zu lassen. Und: Machen Sie ihren Hauptschulabschluss nach.
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Unter dem neuen Label fällt dazu noch alles, was mir am Telefon passiert. Eine SMS von Naddel, dass Schluß is' mit Haare cummen, würde auch noch dazu gehören.
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Genießt das schöne Wetter. Regen? Dann genießt es sobald es aufgehört hat.
Regenluft ... nasse Erde ... meine Droge.
Labels: Telefongelaber / Vertreter



